Blogparade #theaterimnetz

die kulturfritzen haben eine Blogparade #theaterimnetz innitiert:

https://kulturfritzen.wordpress.com/2015/11/20/theaterimnetz-blogparade/

gern greifen wir eure fragen und ideen auf, gerade auch weil die digitale begleitung von theaterprojekten, aus meiner erfahrung, sich immer noch manchmal wie der einsame rufer in der wüste anfühlt. einerseits versuche ich in meinen blogs zu stücken den arbeitsprozess der proben zu unserem publikum zu öffnen und natürlich geht es da auch immer darum neues publikum zu gewinnen, über dieses medium aufmerksam zu machen, andererseits hinterlässt das bei mir auch oft die frage, wer liest das eigentlich? man schreibt und postet auf ein digital weißes blatt, nur ist der adressat, der leser anonym. doch dazu später.

heute ersteinmal eine erster versuch gedanken zu fassen von unserem regisseur mrko böttcher:

„Was macht denn eigentlich das Crowdfunding? – Geht so…“

#circe oder Schatz ich hab die Daten verschenkt! Eine kleine analoge Theaterproduktion über die große digitale Welt.

Im ursprünglichen Konzept wollten wir auch einen Hacker engagieren, der die Digital Doubles des Publikums während der Vorstellung recherchiert. Dazu hatten wir dann aber zu wenig Geld.

Dann fanden wir die Idee toll nur mit drei Schauspielern und drei Stühlen komplett analog zu bleiben. Muss doch auch gehen, den ganzen schnickschnack brauchen wir nicht und eigentlich find ich ja auch schon Video im Theater (fast immer) doof.

Aber bisschen mehr Gage für alle wäre schon toll. Also Crowdfunding. Hatten wir schon mal gemacht, hat ein bisserl was gebracht. Aber richtig funktioniert hat das ehrlich gesagt gar nicht: Also so, dass die Crowd spendet, viele Leute, eine anonyme Masse, vielleicht auch nur nen Fünfer, weil sie die Idee gut finden. Nein, es haben Verwandte, Bekannte, Freunde, die letzen Kontakte in der Welt mit regelmäßigem Einkommen gespendet. Danke dafür! Aber sollen wir die jetzt, nach zwei Jahren nochmal nerven? Aber die Startnextseite bringt ja wenigstens auch Öffentlichkeit, also ab dafür! Komplett irre, was ich da dieses mal alles angeben musste, um mich zu legitimieren, das war doch vor zwei Jahren noch nicht so krass, oder? Diesmal wollten sie ALLES von mir, samt Kopie des Persos. Hatte ich noch nie irgendwo angegeben. Aber gut, ist ja für das Projekt.

Wir brauchen ja solche Portale und Öffentlichkeit und Vernetzung zum Überleben, gleichzeitig ist die digitale Welt natürlich totalüberwacht. Haben wir ja gelernt in unserer Recherchephase. Und diese Schutzdinge wie Proxy und so – da kenne ich mich nicht so richtig aus. Man muss ja schon fast ein Hacker sein, um sich zu schützen, oder?

Aber solange ich nicht in Terrorverdacht gerate, kann mir das doch egal sein, wenn ich als Konsument perfekt durchleuchtet und eingeordnet bin, oder? Aber wie genau arbeiten diese Algoritmen eigentlich?

Einen Facebook-Zugang habe ich nicht mehr, seit der Admin die Seite unserer alten Theatergruppe mit über 3000 Freunden gesperrt hat, weil sie gemerkt haben, dass „Landesbühne Berlin“ kein Privatmensch ist, sondern eine Firma. Die Kontakte waren weg.

Aber Katja, unsere Dramaturgin hat natürlich einen, und die Schauspieler auch. Außerdem hat sie eine WordPress Seite angelegt, auf der sie dann immer mal wieder was gepostet hat. Wir haben auch kurze Videos gedreht, um sie zu posten, das hat natürlich etwas Zeit gekostet und einige Diskussionen um die Qualität. Ist das jetzt ein „Work in progress“ oder sehen die Leute dass schon als endgültiges Resultat?

Ich weiß gar nicht, wie viele Leute wir durch diese begleitenden Posts ins Theater gelockt haben. Hast Du da einen Überblick Katja?

mirko

 

naja, also dann doch gleich ein kommentar meinerseits:

bei #circe dreht sich ja alles um das thema internet, digitales double, selbstvermarktung, selbsterfindung, was ist eigentlich privat und was öffentlich, welche spuren wollen wir von uns im netz hinterlassen und welchen daten gehören uns? wo fängt überwachung an und wie kann man digitale netzwerke und ihre unendlichen möglichkeiten spielerisch also in den theaterprozess einbeziehen?

wir haben uns dann dazu entschieden auf unserem blog bereits im vorfeld texte aus den proben zu den uterschiedlichsten fragen, die uns beschäftigten kurz anzureißen, insbesondere die vielfalt der fragen abzubilden.

dabei kamen wir ganz schnell zur frage, wenn wir doch als künstler*innen öffentliche personen sind, wollen wir ja auch öffentlich präsent sein und somit natürlich auch die digitalen medien nutzen und anwenden, die wir gerade aber in unserer inszenierung hinterfragen also wie damit umgehen?

daraus entstand u.a. dieser text:

ich meine, ich bin ja eine öffentliche person, klar will ich gesehen werden, bloß was und wie und wann würde ich gern selbst bestimmen, auch wenn privatsphäre ein privileg ist, heißt es nicht, das ich sie abschaffen möchte, das ist absurd.
ich meine, dass eben nur die dinge zu  sehen sein können sollten, von denen ich das auch möchte. denn die frage ist doch, für wen will ich offen sein, mit wem will ich teilen.
klar privatsphäre ist ein bürgerliches konzept, privat kommt ja eigentlich lateinisch von privare, das hieß ja eigentlich mal ausgeschlossen sein…, der teilhabe an öffentlicher debatte beraubt sein.
ich meine, wenn sich meine daten eh nicht wieder einfangen lassen, wenn eh alles durchsichtig ist, muss sich doch niemand mehr fürchten entblößt zu werden, wir haben uns ja längst entblößt, ganz im gegenteil, ich begebe mich in einen selbstversuch der radikalen transparenz – ein asymetrischer informationsfluss…  identitäten chachacha, alles ist inszEnierung  und so, privacy is dead, long live privacy.
wir sind doch längst in der post privacy angekommen. das ist doch paradox, es kann doch kaum noch dasselbe meinen wir früher, wenn wir vom privaten menschen sprechen. vielleicht gehts vielmehr um das recht, alleine gelassen zu werden.
denn, keine daten sind doch auch keine lösung mehr, damit machst du dich ja erst recht verdächtig.
auf jeden fall mit diesem ohnmachtsgefühl kommst du auf keinen fall weiter, das lähmt ja nur total.
ich meine, wer kommt schon drüber hinaus über das lippenbekenntnis? warum verändern wir denn nicht schlagartig unser verhalten? wir denken doch immer noch wir kommen schon durch, uns wird es schon nicht treffen, dieses verschwörungsdenken ist doch dann letztendlich doch viel zu abstrakt; snowden hin oder her.  Oder auch einfach nur unbequem.
ich meine das macht doch einen haufen arbeit, alles umzustellen, vpn und proxy, hide my ass und cyberghost und so.
und für was? holen wir uns damit unsere unschuld, unsere freiheit, von der wir geträumt haben zurück?
also das vielleicht mal als anfnag von uns an euch und was wir noch so zum thema gepostet haben, findet ihr ja hier im blog.

spannend ist ja, dass im besten fall dieser prozess der auseinandersetzung und des denkens mit der prmiere eben nicht aufhört und noch besser, wenn wir in den dialog kommen, also nochmal danke für euren anstoß!

katja

 

 

 

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s